Ich hab’ Facebook, wozu brauch’ ich ein Leben?

Es ist ein geflügeltes Wort und hinter diesem Wort steht ein Phänomen, das längst nicht mehr nur unsere Generation erfasst hat, sondern auch ältere Semester zunehmend fasziniert: Die Rede ist, wie könnte es anders sein, von Facebook.

So ein Account im Gesichtsbuch hat ja auch immense Vorteile: Man kann auf verschiedene Weisen mit Freunden und Bekannten kommunizieren, alle möglichen (mehr oder weniger) interessanten Inhalte teilen usw. usf. Zugegeben, man ist dazu verleitet, es mit dem (Mit-)Teilen etwas zu übertreiben, aber das lesen ja eh nur die paar Freunde, und außerdem: Ein bisschen „Oversharing“ ist doch wirklich nicht sooo schlimm. Oder…?

Fest steht, dass viele Facebook-User nicht genau realisieren, was sie da eigentlich alles mit wem teilen (und da nehme ich mich selbst auch nicht aus). Lässt man Überlegungen des Datenschutzes u.Ä. mal außer Acht, stellt sich immer noch die Frage: Wen interessiert das alles eigentlich? Aber schön, dank Facebook weiß ich jetzt wenigstens, dass X heute auf dem Schöckl war, Y sich über die Ferien freut und Z letztes Wochenende ein bisschen zu viel Party gemacht hat. So far, so good – no harm done.

Wirklich fragwürdig wird es für mich aber, wenn Menschen meinen, persönliche/zwischenmenschliche Probleme auf Facebook thematisieren – oder noch schlimmer, mit dem Konfliktpartner austragen – zu müssen. Ich will eigentlich nicht wissen, welche Schwester heute einen Schreikrampf bekommen hat, wer schon wieder von seinem Partner/seiner Partnerin enttäuscht ist oder wer Stress mit dem besten Freund hat. (Und wenn doch, dann spreche ich mit den betreffenden Menschen. Ganz altmodisch, per Telefon oder noch besser persönlich.) Solche Dinge gehören einfach nicht auf Facebook, sichtbar für hunderttausend Freunde und wahrscheinlich für so ziemlich jeden anderen Internetbenutzer, der über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt, sich (legal oder weniger legal) Zugang zu geschlossenen Netzwerken zu verschaffen. Hierzu eine kleine Überlegung: Telefoniert jemand in der Straßenbahn zu laut und spricht dabei vielleicht auch noch über Persönliches, reagiert man meist indigniert, schüttelt innerlich den Kopf und denkt sich: „Na, der posaunt da Persönliches einfach so hinaus…?!“. Dabei ist es mit dem Oversharing auf Facebook ist eigentlich nicht anders: Mit einem Klick weiß die ganze (virtuelle) Welt Bescheid.

Sogar darüber, dass der nette Kollege S seit Tagen Brechdurchfall hat.

Über Clemens Wolf

From Graz, Austria. Studying Journalism & Public Relations (PR). Interested in foreign languages, radio journalism, social media, etc.

Veröffentlicht in Cogitandum

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Permalink 2 Kommentare

2 Antworten zu „Ich hab’ Facebook, wozu brauch’ ich ein Leben?

  1. irina

    mein beileid an herrn s ;)

  2. Max

    DIE KLEINE HEISST FACEBOOK!

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