Manchmal finde ich es einfach nur erschreckend und beschämend, wie andere Menschen sich verhalten. Auch die zwei folgenden Begebenheiten rufen diese Gefühle in mir hervor.
Das erste Beispiel: Eine junge Frau geht am Karfreitag durch die Grazer Innenstadt und gibt einem alten Mann, offensichtlich einem Bettler, 10 € – eine großzügige Geste. Von den Passanten und Umstehenden wird diese Geste aber nicht etwa positiv wahrgenommen, vielmehr schütteln sie die Köpfe, bedenken die junge Dame mit missbilligenden und feindseligen Blicken und äußern sich abfällig über sie. Egal, wie man grundsätzlich zur Bettler-Debatte steht, man darf nicht aus den Augen verlieren, dass Betteln nicht immer organisierte Geldmacherei ist, sondern der Großteil der Bettler obdach- und mittellose Menschen sind, denen keine andere Möglichkeit bleibt. Insofern finde ich, könnte man gerade zu Ostern einmal ein bisschen über den Tellerrand hinaus schauen und an die denken, denen es weniger gut geht. Keiner muss einem Bettler Geld geben, wenn er das nicht möchte – aber man braucht sich auch nicht gleich darüber zu alterieren, wenn andere das tun.
Das zweite Beispiel finde ich noch weit erschreckender: Samstagabend ist ein Mann im Wiener Prater ums Leben gekommen. Vermutlich im betrunkenen Zustand hatte er nach der Fahrt mit einem Hochgeschwindigkeitskarussell versucht, auf das bereits wieder fahrende Karussell aufzuspringen – er wurde vom Karussell erfasst und erlitt so starke Verletzungen, dass er noch an der Unfallstelle starb. Statt zu helfen regten sich Fahrgäste des Karussells auf, warum der Betreiber die Fahrt unterbrochen habe, dass man den Mann doch wegschaffen solle und sie ihre bereits bezahlte Fahrt vollständig konsumieren wollten. Ich finde es schockierend, wie wenig es diese Leute das Schicksal des jungen Mannes berührt hat. Lieber regten sie sich über Banalitäten auf – während dieser Mensch starb.
Da kann man sich echt nur fragen: In was für einer Welt leben wir eigentlich???